„Basti hat behauptet, dass er gehört hätte…

… wie meine Mutter gesagt hat, dass ihr nicht so viel Dreck reintragen sollt.“ Der Titel dieses Buches ist so lang, wie es großartig ist. Victoria Helene Bergemann hat nicht nur einen wohlklingenden Namen, der die gleiche Abkürzung trägt wie der Verkehrsbund im Landkreis Konstanz, sondern auch Talent. Und Witz. Und eine berausche Affinität zur Popkultur der späten 90er-Jahre und den early 2000s.

Die Künstlerin Bergemann ist dem fachkundigen Publikum bisher vor allem aus dem Poetry Slam ein Begriff: Victoria ist zum Zeitpunkt der Recherche Schleswig-Holstein Meisterin und war auch schon mal Zweite bei den U20-Meisterschaften, aber das könnt ihr auch alles im Klappentext lesen.

Wie jedoch ist dieses Meisterwerk komponiert, fragt ihr? Ist „Basti hat behauptet, dass er gehört hätte, wie meine Mutter gesagt hat, dass ihr nicht so viel Dreck reintragen sollt.“ ein Roman? Ein Kammerspiel in drei Akten? Oder gar eine Ballade? Nein – „Basti hat behauptet, dass er gehört hätte, wie meine Mutter gesagt hat, dass ihr nicht so viel Dreck reintragen sollt.“ oder kurz: BhbdeghwmMghdinsvDrs transzendiert die Fesseln der Genre und ist eine Textsammlung. So ist für jeden Geschmack etwas dabei; es gibt Prosa, Lyrik und funky Hybridformen. Es gibt Lachen (hart) und melancholisch werden (leicht), es gibt Momente, in denen man zustimmend nickt und solche, in denen man merkt, wie alt man inzwischen geworden ist.

Umweht von einer sanften, aber stetigen Coming-of-Age Brise spricht Victoria H. B. oft von ihrer Mutter, häufig von ihren Idolen, die geschwind auf zwei equinen Geschöpfen namens Amadeus & Sabrina reiten, und gelegentlich von ganz anderen Dingen wie klavierspielenden Katzen (kennt man ja), Handarbeitsvariationen, oder gepökeltem Krustenbraten (Mmmhh).

Aber neben all dem Jux & der Tollerei zeigt die Autorin auch eine verletzliche, sanfte Seite. Manchmal geht es um Deutschland, aber nicht auf ekelhaft kitschig-verklärte Art, sondern unverstellt und so, als wäre es ihr egal, wenn Deutschland den Text dann liest und sich ertappt fühlt. Es geht um das Deutschland, das es nicht mehr gibt, das aus den Köpfen der Menschen nur natürlich langsamer verschwindet, als es braucht, eine Mauer einzureißen. Sie thematisiert Depressionen, Ängste & Verlust ohne falschen Pathos, das Gedicht Wasser gehört zu dem Besten, was ich seit meiner Einschulung gelesen habe.

Obwohl B. bisher vornehmlich auf Bühnen erfolgreich ist, ihre Performance natürlich dazu beiträgt, dass sie zu Recht verehrt wird und ihr die Herzen nur so zufliegen (wie man in diversen Publikationen auf einer bekannten Video-Plattform feststellen kann), funktionieren ihre Texte auch auf Papier. Selbst bei stummer Lektüre oder im heimischen Lesezirkel verlieren sie nichts von ihrer Lebendigkeit. Der unnachahmliche Stil Bergemanns, der einen Blick für das Klitzekleine hat, es in einem fulminanten Looping ad absurdum führt, nur um dann wieder punktgenau dort zu landen, wo das Zwerchfell & das Herz sitzen, ist wirklich one of a kind.

Das Buch ist im Lektora Verlag erschienen, das sind gute Leute, da können auch Leute Bücher bestellen, die Angst vor Online-Shopping haben (Mama). Und sonst steppt einfach mal wieder in die Buchhandlung eures Vertrauens, die besorgen das Buch auch und machen sich schon Sorgen um euch. Ich weiß jetzt zum Glück, was ich dieses Jahr zu Weihnachten verschenke. Kannst dich schonmal freuen, Diana. Und putz dir bitte die Schuhe ab :-*

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