Kryptozän

– Für Vera – 

Friends und Friendinnen, ich hab was richtig Freshes für euch am Start. Dieses Buch hat nicht nur einen eigenen Trailer, sondern auch eine gehörige Portion cojones. Und noch habe ich das Gefühl, dass es ziemlich underground ist. Jedenfalls haben das Internet und Kryptozän ihren gemeinsamen Beziehungsstatus noch nicht auf „in einem Wikipedia-Artikel“ gesetzt.

Was steckt drin in der Wundertüte? Sci-Fi, Abenteuer und die Zukunft. Und Nerds. Und Witze. Und komischer Sexkram. Und es ist fulminant! Beizeiten erinnert der Stil etwas an Houellebecqs Elementarteilchen, hat aber einen gewissen Twist, weil die Autorin aussieht, als würde sie sich am weiblichen Rand des Geschlechterspektrums bewegen und will damit so gar nicht in die Schublade alter, einsamer Mann passen.

Die Handlung spielt auf drei Zeitebenen in den Jahren ab 1882, ab 1983 und ab 2024. In der deutschen Ausgabe (ich weiß nicht, ob das im argentinischen Original auch so ist) sind die drei Ebenen in jeweils verschiedenen Schriftarten gedruckt, das ist doch mal fancy. Das erste Kapitel erinnert stark an die Klassiker der Adventure-Literature von Jules Verne und sieht auch so aus. Eine serifenreiche Schrift und kleine Illustrationen entführen einen im 20.000 Meilen unter dem Meer -Mittelpunkt der Erde – In 80 Tagen um die Welt – Stil auf Expeditionen in die Welt der Pflanzen/Insekten/Lust und man fragt sich: Stand in dem Klappentext nicht irgendwas von Hackern? Kommt, kommt alles. Aber bevor der Held der Geschichte auf interessante Weise das Licht der Welt erblickt, verweilt man kurz in der in Lateinamerika so perfektionierten Erzählkunst mit phantastischen Elementen – Ich habe neulich kurz Hundert Jahre Einsamkeit von G. G. Márquez angelesen und einige prominente Elemente in Kryptozän wiedergefunden. Oloixarac spielt mit der Literaturtradition, und sie macht es gut.

Und dann geht es ab. Es fliegen einem Begriffe wie Bots, Kryptologie und Algorithmus und all die Sachen, die man in der Schule nie verstanden hat, jetzt aber regelmäßig versucht, seinen Eltern zu erklären, um die Ohren, aber trotz Tempo und Humor schafft man es, am Ball zu bleiben. Es entspinnt sich die fiktive Biographie (das auch noch! Sci-Fi, Abenteuer, Biographie… Das sind ja drei Überraschungen in einem!) des Protagonisten Cassio, der ziemlich begabt an der Computertastatur ist und die Grenzen vom Menschsein ausreizt und überschreitet. Es wird einfach immer abgefahrener.

Eine einzige Stelle im Roman fand ich jedoch etwas schräg, aber wenn ich jetzt schreibe, welche ich meine, dann würde das zu viel verraten. Wer also demnächst loseilt, um sich den Roman zu gönnen, der möge mir bitte einmal privat im MSN Messenger schreiben, vielleicht ist das eine Referenz, die ich nicht verstehe oder so, danke, Addy gibt es wie gewohnt per frankiertem Rückumschlag.

Kids, was rede ich lang um den heißen Brei: Wenn ihr noch ein wenig Feuer in euch spürt, ein bisschen über die Zukunft der Menschheit nachdenken wollt, eine junge Autorin seid, die ein Vorbild braucht, nicht allzu viele Stöcke im Popo habt oder einfach mal was lesen wollt, was anders ist, dann gönnt euch Kryptozän. Es is der realste Shit 2016, 2017, und noch lange danach, methinks.

 

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