Houellebecq – Triple Feature

Ja, ihr habt mir auch gefehlt. Und dann komme ich von der Mittelmeerinsel zurück, auf der ich meinen Booty die letzten Tage gebräunt habe und bringe euch nicht etwa neue Literaturtalente aus Mikronesien mit, sondern schon wieder Houellebecq? Macker. Reicht es nicht langsam mit dem kümmerlichen Franzosen? Meine gesellschaftskritischen Texte sind doch eh viel besser. Nope, nope, triple nope. Michel ist ne geile Sau und deshalb vertiefe ich mich gerade in sein Gesamtwerk. Freut euch schon mal auf eine tolle Gedichtbandrezension. Harhar. Aber um die Freude an den Meisterwerken frisch zu halten, gibt es meine kondensierte Meinung heute in einem appetitlichen Bündel. Triple Features sind außerdem gut für den Blutdruck.

Ausweitung der Kampfzone

Nicht immer ist ein Debut gleich der beste Roman eines Autors, auch wenn die Popliteraten das oft so haben aussehen lassen. Ausweitung der Kampfzone taucht unter allen Werken MHs in der Literaritaets Top 7 irgendwo im Mittelfeld auf. Trotzdem lassen sich in diesem Text schon Themen finden, die auch später immer wieder bei Mischi auftauchen. Sex und Ökonomie werden eng (haha) miteinander verknüpft, wie das auch in Plattform geschieht. Einsame Männer mit Geld trifft man hier und auf den Seiten der nachfolgenden Schmöker ebenso wie in Elementarteilchen. Männlich, verbittert und einsam sind die Protagonisten in Houellebecqs Händen sowieso immer.

Was dieses Buch gut macht: Es gibt schockierende Plottwists. Aber so genial wie Elementarteilchen ist es leider nicht ganz. Dafür aber auch nicht so dick. Falls hier noch einer ’ne schnelle Urlaubslektüre braucht, die ein bisschen deprimiert.

Die Möglichkeit einer Insel

Treuen Lesern aus der Kollektion der Bücher bekannt, die ich angefangen und jahrelang nicht zu Ende gelesen habe: Die Möglichkeit, dass ich es doch getan habe, trat ein. Non, je ne regrette cette Witz… rien.

Die Struktur ist fancy, das Setting spielt in einer Zukunft, in der es die Menschheit, wie wir sie heute kennen nicht mehr gibt. Stattdessen existiert eine optimierte Klon-Version von ihr. Abwechselnd berichten nun der originale (menschliche) und der geklonte Daniel (les protagonistes) in nummerierten Kapiteln von ihrem Leben. Das verwirrt erstmal, aber wenn wir Bock auf durchschaubare Handlung ohne Esprit haben, können wir ja immer noch Juli Zeh lesen.

Als hätte man es geahnt, sind in diesem Buch mal wieder viele Menschen nackt und  paarungswillig und once again ist das mehr als stumpfes Tittengucken. Es geht um Religion, ihren leisen Abschied aus der Welt, Sekten, Liebe, es geht um einen Hund. Vielleicht erkennt in der gegenwärtigen Literatur niemand das wahre Gesicht der Menschheit so perfekt wie Houellebecq. Wir sind lost, lost. Und Michel hat’s gewusst.

Kirsche on top: In dem Roman versteckt sich das titelgebende Gedicht, das eines der schönsten everever ist. Zum Genuss unbedingt rudimentäre Französischkenntnisse ausgraben, nur im Original reimt es sich.

Karte und Gebiet

Ich müsste spoilern, um den genialen Schachzug feiern zu können, mit dem uns Houellebecq in diesem Roman zeigt, was für ein guter Schriftsteller er ist. Aber Flosse aufs Herz, das würde ich nicht tun. Ich sage nur so viel: L’auteur baut sich selbst als Figur in den Text ein; es ist abgefahren. Gefahrlos verraten kann ich, dass es viel um den Kunstmarkt geht. Man lernt, wie leicht die unnormalen Summen entstehen, die für Bilder gezahlt werden, über die Menschen in karierten Hemden sagen: „Das hätte ich auch malen können“. Man lernt, dass es manchmal keine zweite Chance gibt im Leben.

Karte und Gebiet ist das Werk von Houellebecq, mit dem sich die meisten Menschen anfreunden können (Behauptung, stützt sich nicht auf blöde Empirie, ausgedacht). Käme man in die unangenehme Lage und müsste einem wenig aufgeschlossenen Menschen ein Houellebecq-Werk schenken, täte man gut daran, die Wahl auf Karte und Gebiet fallen zu lassen. Und dann Augen zu und durch.

Wem Literatur erst durch Popkultur schmackhaft wird, Wikipedia hat gesagt, dass Prinz Pi einen Song geschrieben hat, der von Karte und Gebiet inspiriert war.

Wenn ihr es noch nicht getan habt: Gebt Houellebecq noch eine Chance.

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