Auf den Marmorklippen

Ich weiß nicht, wie ich diesen Artikel anfangen soll. Es gibt so viele mögliche Ansatzpunkte, dass es mir schwer fällt, einen auszuwählen. Ich könnte damit anfangen, wie ich dazu kam, diesen Text zu lesen. Ich könnte darauf eingehen, wie wichtig es ist, sich ab und zu mal mit Dingen auseinander zu setzen, die außerhalb der eigenen, gefilterten und auf „das-könnte-deine-Mudder-auch-interessieren“-Algorithmen basierenden schalldichten Blase existieren.

Oder ich könnte damit eröffnen, dass Hitler tierisch auf Ernst Jünger stand. Sogar so sehr, dass er sich persönlich dafür einsetzte, den Autor nicht (wie von Goebbels gewünscht) in ein KZ stecken zu lassen, sondern einfach kein Papier für den Druck dieses Buches mehr bereitzustellen. Im gleichen Atemzug könnte ich darüber nachdenken, wie eng Biographie und Text eines Autors bei einer Interpretation miteinander verknüpft sein sollten. Ist Auf den Marmorklippen ein Werk des Widerstands? Oder geben die kriegsgeile Sprache des Autors, die jeder Kampfszene noch etwas Ästhetisches abgewinnt, und der Rückzug ins Innere und Geistige eher das Bild eines Konservativen ab, der Lust am Untergang hat?

Auf jeden Fall muss aus dem Artikel hervorgehen, was für visionäre Elemente er enthält, wie Jünger bereits 1939 eine Menschenvernichtungsstätte beschreibt, die doch stark an Konzentrationslager erinnert und wie am Ende Flammen stehen. Auf die ausführlichen Naturbeschreibungen müsste ich dabei ebenso eingehen wie auf die Symbolik, die mit den Farben blau und rot spielt, die sich durch den Text zieht. Aber das wäre vielleicht schon ein bisschen close gelesen und gleich zu Beginn zu nerdig.

Viel ansprechender wäre es sicher, einen tagesaktuellen Bezug zwischen Text und der politischen Situation herzustellen. Es könnte sich lohnen zu zeigen, wie leicht Menschen durch den Einfluss eines einzigen, aggressiven Brüllaffchens sinnlos aufeinander losgehen. Und das in solchen Fällen am Ende nichts bleibt außer verbrannte Erde, Hass und Stolz auf die eigenen Barbereien. Einen Seitenhieb auf die assigen Hooligan-Aktionen in Frankreich und 2.500km Umkreis kann ich mir in diesem Text sparen. Noch wirken die Bilder von armseligen Würstchen mit Sonnenhut und Bauchtasche, die sich beweisen müssen. Aber sich gegenseitig gegen den Kopf zu treten hat uns bald alle so abgestumpft, dass es nicht mehr weh genug tut, dann wäre dieser Artikel in Bälde nicht mehr zu gebrauchen.

Jünger würde dazu eventuell die Achseln zucken, er hat seinen Text ja nicht aus Spaß so konzipiert hat, dass er quasi auf jeden Untergang ever anzuwenden ist. Eine Gesellschaft besteht, sie fängt an zu zerbrechen, totale Zerstörung, Neuanfang. Liebe Grüße an Hegels Geist, du kannst uns mal. Ich weiß nicht, was die beste Herangehensweise wäre. Vielleicht lese ich lieber erst einmal etwas anderes.

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