The Sea

Seit Tagen überlege ich, was ich zu John Banvilles MVP sagen kann. Meine Erwartungen waren hoch, immerhin hat der Ire damit vor elf Jahren den Man Booker Prize gewonnen. Und der verleiht unter Literaten ja bekanntlich eine Menge Street Credibility. Aber egal, wie oft ich mich schlafen lege, noch einmal herein lese oder daran denke, was JB eigentlich alles richtig gemacht hat – ich mag das Buch nicht.

Banvilles Rezept für diesen Text:

Man nehme einen • unzuverlässigen Erzähler, der auf mehreren Zeitebenen erzählt, würze die Story mit allerlei • versteckten Anspielungen und überraschend plumpen Namen (es gibt einen Arzt names Mr. Todd. Und sagen wir es mal so; der kümmert sich nicht um die Neugeborenenstation) und vollende das Gebräu mit so mega • komplizierten Worten, dass man entweder nebenbei dict.cc offen hat oder enerviert einfach weiter liest.

Eigentlich hat The Sea storytechnisch ein paar Knaller parat; es geht um Kinder, die ihre erste Liebe erleben, es geht um eine todkranke Ehefrau, es geht um Erinnerungen, es gibt am Ende eine überraschende Wendung. Aber der Protagonist ist langweilig und emotional hat mich der Text in etwa so sehr angesprochen wie der Wetterbericht vorm Tatort: wenig. Auch die vielen intertextuellen Bezüge (für die ich normalerweise ein großes Faible habe) auf Gemälde des Post-Impressionisten Bonnard oder Anspielungen auf die griechische Mythologie hauen da nichts mehr raus.

Ständig fühlte ich mich wie eine Schallplattennadel, die /wie eine Schallplattennadel, die /wie eine Schallplattennadel, die /wie eine Schallplattennadel, die – festhängt, da ich die Sätze so oft lesen musste, um ihnen irgendwie Sinn abgewinnen zu können. Aufgrund der hochkomplizierten Satzstruktur schafft man es nur selten von Satzanfang zu Interpunktionszeichen, ohne mehrmals an den Anfang zurück zu springen. Ich schätze, die Sprache soll das Wogen der Wellen imitieren. Aber das nervt. Obwohl es so gut gemacht ist. Keiner mag Streber.

Ich mag ja Worte. Ich mag auch fancy Worte. Aber noch toller finde ich es, wenn ich trotzdem noch das Gefühl habe, aus der Geschichte nicht ausgeschlossen zu werden. So jedoch würde ich jedem, der Lust auf ein Werk über Erinnerungen hat, eher The Sense of an Ending empfehlen, statt The Sea.

*

For days I have been thinking about what could be said about John Banvilles MVP. I had high expectations, the Irishman even won the Man Booker Price for it eleven years ago. And that usually gives a lot of street credibility to authors. But no matter how often I go to sleep, how often I have another look at it, or think about all the things JB actually did right – I do not like the book.

Take:

• an unreliable narrator, who tells his story on different time levels, spice it up with • a lot of hidden allusions, surprisingly plump names (There is a doctor called Mr. Todd. And let’s just say, he does not work in the paediatric ward) and finish your brewage with such • mega complicated words that you either have to have your thesaurus lying next to you or you simply skip some bits.

Technically, The Sea has a few bangers on hand; the story is about children who experience their first love, a terminally ill wife, it’s about memories, it even has a surprising plot twist at the end. But the protagonist is boring and emotionally, it has been as gripping as the weather forecast right before the Sunday Crime show: not very. Even the many intertextual references (which I normally have a very soft spot for) to paintings of post-impressionist Bonnard or allusions to Greek mythology cannot salvage my favour.

I felt like a broken rec/ Like a broken rec/ Like a broken rec/ Like a broken record all the time. I had to reread the sentences many times, just to get any sense out of them. Due to the highly complicated sentence structure, one rarely makes it from the beginning to the punctuation mark without having to go back. I think the language was constructed this way to imitate the waves of the sea. But it is annoying. Even though it is so perfectly executed. Nobody likes overachievers.

I like words. I like fancy words, too. But even more, I like not feeling left out from a story. This way, I’d more likely recommend The Sense of an Ending to anyone who wants to read a work about memory than The Sea.

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