Traumnovelle

Hände hoch, wer hat schon mal Eyes Wide Shut gesehen?

Die Traumnovelle von Arthur Schnitzler ist der Boden, auf dem dieser Film gewachsen ist. Ich könnte nun einiges zu der wohl berühmtesten filmischen Adaption dieses Textes sagen, die insgesamt ganz okay ist, aber allein die Tatsache, dass Tom Cruise einen Zahn direkt in der Mitte seines Gesichtes hat, ist schon ein solcher Moodkiller, dass ich mich lieber rein auf das literarische Werk beziehe.

Fridolin und Albertine (die Namen gehen auf dem Standesamt locker wieder als cool durch) haben eine Ehekrise, auch wenn nach außen alles harmonisch wirkt. Am Morgen nach einer gemeinsamen Partynacht und anschließender sexy time sprechen die beiden miteinander. Dabei offenbart sich Albertine: Sie fantasiere immer noch gelegentlich von dem Schnuckelchen aus dem Dänemark-Urlaub. Fridolin erwidert, dass er selbst sich am Strand im Süden Skandinaviens zu einem jungen Mädchen sexuell hingezogen gefühlt habe. Doch der eifersüchtige Ehemann reagiert verletzt auf das Geständnis seiner Frau – hallo, das hier ist immer noch das frühe 20. Jahrhundert, da hat eine gute Hausfrau keine eigenen sexuellen Bedürfnisse zu haben! – und steppt erstmal aus dem Haus, planlos in die Nacht, Hauptsache nicht bei seiner Frau sein.

Schnitzler scheint ein hartgesottener Freud der Psychoanalyse zu sein. Darauf lassen neben dem Titel der Novelle noch die vielen unterdrückten sexuellen Gedanken, Gelüste und Gestalten schließen, die Fridolin im nächtlichen Wien begegnen. Mit von der Partie sind unter anderem eine liebenswerte Prostituierte, ein Pianist und ein Kostümartikelverleiher. Wie man das so kennt, eins führt zum anderen, und plötzlich findet sich der männliche Protagonist mittenmang in einer geheimnisvollen Orgie wieder.

Wie es ausgeht verrate ich ausschließlich im persönlichen Gespräch oder schriftlich. Dazu bitte einfach einen frankierten Rückumschlag und eine Postkarte mit dem Stichwort „Traum“ an die im Impressum angegebene Adresse senden. Autogrammwünsche werden gern berücksichtigt. Wer nicht solang warten mag, dem sei verraten, dass Arthur S. schon vor so langer Zeit das Zeitliche gesegnet hat, dass die Traumnovelle online zu finden ist.

Und, wie ist er denn nun so, der Schinken? Ja, bedeutend und so. Aber man kann ja auch den Wert eines Textes anerkennen und ihn trotzdem nicht umwerfend finden. Die Story ist gut, aber Kafka hat das mit diesem traumhaften (im Sinne von: wie in einem Traum) Schreiben einfach besser drauf. Einerseits ist es schade, dass Arthur so mega steif schreibt, dass man ihn gern schütteln würde, um ihn zu heißen: „Schnitzler, mach dich mal locker!“, andererseits ist es spannend, dass die Leute schon vor hundert Jahren mega twisted drauf waren. „Sprechen Sie mit ihrem Partner über ihre sexuellen Vorlieben und Wünsche“ war anscheinend schon im letzten Jahrtausend ein guter Rat.

Traumnovelle: kann man lesen, ist aber nicht weltbewegend.

*

Raise your hands, who of you have seen Eyes Wide Shut before?

 Traumnovelle or Dream Stories by Arthur Schnitzler is the novel the film is based on. I could probably say a lot about the most popular filmic adaption of the novel, which is quite okay, but the sole fact that Tom Cruise has a tooth right in the middle of his face brings me to the conclusion that I should rather focus on the literary content alone.

Fridolin and Albertine (these names are totally back in style these days) are having a crisis in their marriage even though everything looks fine on the outside. The morning after a night of partying and sexy time together, they talk to each other. Albertine reveals herself to her husband by telling him about that cutie she met on their holiday in Denmark who she still fantasizes about. Fridolin admits that he himself felt attracted to a girl he met on the beach in the South of Scandinavia. But the jealous husband is hurt by his wife’s confession – hello, we’re still in the 20th century, what kind of wife thinks she could have her own sexual needs? – and he walks out into the night. Without a plan, he just wants to get away from Albertine.

Schnitzler seems to have been a hardcore fan of psychoanalysis. Not only does the title hint towards one of Freud’s theories, but also do the suppressed sexual thoughts, desires and the individuals he meets in nightly Vienna suggest so. Among others, he meets an adorable prostitute, a pianist and a costumer. And, you know how this goes, suddenly the male protagonist finds himself in the middle of a mysterious orgy.

I will only give away the ending in a personal conversation or by mail. To request an answer, simply send a letter with a sufficiently stamped envelope and a postcard with the code-word „dream“ to the address stated under Impressum. Requests for an autograph will be gladly considered. Who cannot wait to know the ending should be delighted that, since Arthur S. has passed away a long ago, the original text can be found online.

So, what’s it like, the novella? Well, major work, important, significant and all that. But you can acknowledge a work without admiring it. The story is certainly great, but Kafka is just so much better at writing dreamlike (in the sense of: as if you were in a dream). On the one hand it’s a pity that Arthur’s style is so stiff that you want to grab him and shake him to tell him: „Schnitzler, relax!“, but on the other hand it’s nice to know that people have been really twisted already one hundred years ago. „Talk to your partner about your sexual preferences and wishes“ does never seem to go out of style.

Traumnovelle: it’s a can-do, but not a must-do.

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