Jetzt hat er wirklich Polizei

Lyrik, Epik, Schmähkritik – das, liebe Leser, war ein Stabreim. Wäre Jan Böhmermanns Gedicht im Konjunktiv eigentlich durchgegangen?

Ja, das hier ist ein Literaturblog. Also kann man als Leser erwarten, dass es hier um Literatur only geht, oder? Joa, schon. Aber im täglichen Leben begegnen einem ja nicht nur Lord Byron und Haruki Murakami (bei ersterem wird das eh schwierig, Tod und so), sondern gelegentlich streift der eigene Blick bekanntlich Feuilleton oder Panorama größerer Zeitungen. Da bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als zu lesen, dass Jan Böhmermann inzwischen unter Polizeischutz steht und seine Fernsehsendung absagt, weil Erdogan beleidigt ist. Also, sollte ein Literaturblog sich mit (inzwischen) politischen Themen auseinander setzen?

Das muss er sogar. Immerhin ist diese ganze Staatsangelegenheit an einem Gedicht entfacht. An einem Gedicht! Da soll nochmal einer sagen, dass Lyrik nicht die Welt verändern kann.

Und sensationsgeil, wie man als rasender Reporter nunmal ist, kann man da auch gleich auf den Likezug mit aufspringen und eine populäre Meinung öffentlich teilen. Denkt also bitte alle dran zu subscriben, Link ist in der Bio <3. Glücklicherweise bin ich Alleinherrscher in diesem Zwergenpimmel, ääh, -staat und Inhaberix dieser Domain. Deshalb steht oben zwar Literatur drauf und hier unten kommt Meinung raus, aber was soll’s. Was soll man schon machen, mich verklagen? Ich äußere mich jetzt zu der ganzen Sache mit Jan Böhmermann. Le blog, c’est moi.

Jan Böhmermann anzuzeigen war schon spaßfrei. Aber damit musste er rechnen. So doof ist er auch nicht, auch wenn man ihn albern oder gar nervig finden kann; dass lupenrein demokratische Staatsoberhäupter sich nicht gern verschmähen lassen, das hat man ja schonmal irgendwo gelesen. Womit keiner rechnen konnte war, dass er tatsächlich Gefahr laufen würde, für seine Worte bestraft zu werden. Man vertraut immer darauf, dass man sagen kann, was man denkt. Wäre schon nice, wenn das so bliebe. Und ja, die Grenzen und Gesetze sind mir bekannt. Der Rahmen des Gedichts ist jedoch der wahrlich springende Punkt.

Also bitte, liebe Menschen, die das in nächster Zeit über Anklage oder nicht Anklage entscheiden müssen: ZEIGT EIER! Es ist doch voll okay zu sagen: „Yo Recep, hier ist mein Tanzbereich, hier ist dein Tanzbereich, lass uns mal unsere Satire machen, du verbietest halt deine, finden wir hier halt nicht so geil“.

Und alle, die selbst Kunst schaffen, Satiriker oder Slapstick-Lover, Kleinkünstler oder Konzerthallenfüller: Äußert euch zu der Sache Jan Böhmermann vs. Recep Erdogan! Lebt eure Freiheiten aus. Wenn „massiver öffentlicher Druck“ dazu führt, dass das NEO Magazin Royale ausfällt, kann „massiver öffentlicher Druck“ eventuell auch dazu führen, dass die richtige Entscheidung zugunsten Jan Böhmermanns getroffen wird. So anstrengend man ihn auch findet, wir brauchen diesen salzigen Finger in unseren Wunden wohl manchmal.

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