Less Than Zero & Panikherz

Das Doublefeature!

Häh, Panikherz hatten wir doch gerade erst? Jup. Kürzlich schrieb ich bereits über Stuckrad-Barres neues Baby, konnte da aber hauptsächlich über meinen Eindruck aus der Lesung in Hamburg sprechen. Habe den Roman, den man mit 564 Seiten nicht gerade als Kurzgeschichte bezeichnen kann, nun vollständig in mir aufgesogen und eine echte Meinung dazu. Panikherz ist eine Wucht. Es betrübt, von den schweren Zeiten des Protagonisten (und Autors) zu lesen, es ist aber ebenso erheiternd an anderen Stellen – für diese Momente wurde das Akronym LOL entwickelt. Man erkennt sich häufig wieder in den Zeilen und man denkt sich ebenso oft „zum Glück bin ich da anders“. Es ist so ein bisschen wie damals in der Pubertät; man empfindet einen Haufen gegensätzlicher Gefühle gleichzeitig.

Der neueste Roman aus dem Laptop meines persönlichen Superheros (BvSBMan) ist ein Ausbund an Intertextualität. Udo Lindenberg, Harald Schmidt, die Beach Boys, immer wieder Lindenberg und oft: Less Than Zero. Das Debütwerk von Bret Easton Ellis zieht sich durch Panikherz wie früher die starken Männer auf DSF die Lastwagen. Grund genug für mich, mir den Roman, der auf deutsch Unter Null heißt, zu Gemüte zu führen. Ellis dürfte dem geneigten Cineasten bekannt sein als Autor der Romanvorlage zu American Psycho. Ja, genau, der Film mit Christian Bale und dem Meme mit der Axt.

Less Than Zero haut ganz schön rein. Es dauert etwas, bis der Text Fahrt aufnimmt. Die ersten Kapitel funktionieren erst nach einiger Zeit, sobald man jedoch verstanden hat, dass sie mit Absicht sehr eintönig gehalten sind, um die Langeweile auszudrücken, die den Charakteren ihr ansonsten sehr nices Leben zur Hölle macht, geht das Konzept auf. Man begegnet rich kids aus Los Angeles, deren Eltern mehr als ausgesorgt haben und erlebt ihren Alltag. Immer das Gleiche; Party, Koks, sexy time, alle blond, alle stabil gebräunt.

Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, die Freunde des Protagonisten rasten völlig aus, prostituieren sich für Heroin, zeigen Snuff Movies oder werden selbst zu Vergewaltigern. Heavy Kram auf jeden Fall. Und das alles erlebt man aus der Sicht eines Erzählers, der nichts mehr spürt. Innerlich tot, Gefühle vereist, jede Empfindung betäubt. Heftiges Erlebnis, dieses Less Than Zero. Das ist mal wieder eins jener Werke, bei dem man sehr froh ist, dass man das nicht selbst erleben muss.

Ob ich Ellis‘ Debüt so verehren werde wie Stuckrad-Barre es tut, wage ich noch zu bezweifeln. Aber ich habe meinen inneren Literatur-Thron auch einfach schon recht hochkarätig besetzt. Wer jetzt noch Bock auf Intertext hat – Bloc Party haben dem Protagonisten aus Less Than Zero einen Song gewidmet: Song for Clay (Disappear Here) kann man sich im Internet, auf CD & MC kaufen, oder hier hören. Hoffentlich widmet bald mal jemand Stuckrad-Barre einen Song. Er hätte es verdient.

*

What, Panikherz again? Didn’t we just read about that? Yup. It wasn’t that long ago when I wrote about Stuckrad-Barre’s new baby, but I could only speak about the impression I got at the reading in Hamburg. I just finished reading the novel that could hardly be called a short story with its 564 pages and I have an opinion. It’s a stunner. It leaves you sad when reading about the protagonist’s (and author’s) dark moments, but it also makes you smile at other times – moments like these are what the acronym LOL was invented for. You often find yourself in the lines of the book and you often think „I’m really lucky to be different from this“. It feels a bit like puberty did; you feel a lot of conflicting things at the same time.

The newest novel from my personal superhero (BvSB-Man) is a model of intertextuality. Udo Lindenberg, Harald Schmidt, the Beach Boys, always Lindenberg and very often: Less Than Zero. The debut of Bret Easton Ellis is as constant in Panikherz as the number e is in Mathematics. Reason enough for me to have a look at the novel that is called „Unter Null“ in German. Fellow cineasts would know Ellis as the author of the novel the film American Psycho is based on. Yeah, that movie with Christian Bale and the meme.

Less Than Zero is a shocking one. It takes a while before the text picks up pace though. The first chapters only start to function after a while. Once you understand that they are so terribly monotonous to express the boredom that makes the otherwise really nice lives of its characters a living hell, the concept works. You meet rich kids from Los Angeles whose parents are doing more than well and live their daily lives with them. It’s always the same; party, cocaine, sexy time, everyone is blond, everyone is tan.

Suddenly, it all goes down pretty fast. The protagonist’s friends snap, sell their bodies for heroine, show snuff movies at parties and become rapists themselves. Heavy stuff, that’s for sure. And you experience all this from the point of view of a narrator who doesn’t feel anything anymore. Dead inside, his feelings on ice, every sentiment numbed. Intense experience, this. This is one of those books where you are really happy to not be the one to have to actually go through this.

If I will ever admire Ellis’ debut as much as Stuckrad-Barre does – I doubt it. But my inner throne of Literature ist maybe just already taken by too many great artists. Who wants some more intertextuality now? Bloc Party have dedicated a song to the protagonist from Less Than Zero: Song for Clay (Disappear Here) can be bought on the internet, on CD or MC, or be listened to here. Hopefully somebody dedicates a song to Stuckrad-Barre soon. He deserves it.

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Ein Gedanke zu “Less Than Zero & Panikherz

  1. Hah. Toll. Ich habe gehofft, vielleicht besteht die kleine Chance, dass du was zu Panikherz geschrieben hast. Ehrlich gesagt kenne ich weder Udos Kram noch Stuckratt Bare himself (aber was ein cooler Name!). Fand das Buch auch sehr geil, gerade eben durchgelesen.

    „Menschen die … mögen, mögen auch …“ man, hatte Angst gleich kommt was, was auf mich zutrifft, so war es dann auch.

    Mal gucken, Unter Null könnte ich nun auch mal lesen. Habe mir einige Dinge notiert beim lesen 🙂

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