tl;dr – 5 unvollendete Lektüren

Ungeliebt, halb gelesen, angefangen, weggelegt, aus den Augen, aus dem Sinn. Und irgendwann fallen sie einem beim Umzug, Regal umwerfen oder der Suche nach brauchbarer Literatur für Last-Minute Hausarbeiten wieder in die Hände: die Buchleichen.

Da kauft man sich neue Romane, weil das Cover so fetzig und bezaubernd gestaltet war, oder weil das schlechte Gewissen sich mit einem „von dem Autor sollte man als interessierter Kosmopolit aber schon zumindest ein Werk kennen“ zu Wort meldet. Oder weil man dringend ein paar Blumen pressen muss, um ein Herbarium zu basteln. Wie auch immer die Kaufmotivation geartet sein mag, fast jeder hat sie zu Hause zwischen Buddenbrooks und Steppenwolf stehen, die Unvollendeten.

Hier ist meine Top Five der Bücher, die ich zu lesen begonnen habe, mit denen ich aber bis heute ein bis zwei Hühnchen zu rupfen habe.

Platz 5: Nick Hornby – Slam

Ich schätze, dass es High Fidelity war, das mich glauben ließ, ich sei ein Fan von Nick Hornby. Und ich bin sicher, dass es A Long Way Down war, das mich von dieser Idee wieder abbrachte. Vor Kurzem meinte jemand zu mir, dass ALWD doch ein sehr witziges Buch sei und dass man es eigentlich nicht nicht mögen könne. Ich war überrascht, denn als lustig hatte ich es nicht in Erinnerung. Eher als kacke. Aus diesen stark differierenden Meinungen kann ich nur zweierlei Möglichkeiten schlussfolgern: Entweder die Person hatte einen bedeutend anderen Humor als ich, oder aber ich war zur der Zeit, zu der ich es las (ca. 2007) zu busy, Emo zu sein. Augen schwarz malen und schwarzer Humor sind wohl nicht das Gleiche.

Slam jedenfalls kaufte ich kurz nach meinem Abitur. Und in den fünf Jahren, die seitdem vergangen sind habe ich es nicht weiter als fünf Seiten in das erste Kapitel geschafft. Vielleicht, weil ich Texte, die aus der Sicht von Jugendlichen geschrieben sein sollen immer irgendwie verkrampft finde (außer Tschick, das war Premium). Jugend kann man nur erleben, die kann man nicht durch betont locker sein wiederholen. Ich weiß nicht, ob eines Tages der Lesestoff so knapp wird, dass ich es doch noch anfange. Oder ob Nick endgültig unter einer dicken Staubschicht verschwinden wird.

Platz 4: Irvine Welsh – The Sex Lives of Siamese Twins

Trainspotting und Ecstasy sind Monumente. Deshalb dachte ich, ich könnte mit Irvine Welsh nichts verkehrt machen, als ich letzten Sommer am Berliner Ostbahnhof stand und etwas Gedrucktes für die lange Zugreise nach Hause brauchte. Fast ein Viertel des ganzen Textes habe ich auch geschafft. Aber irgendwie zieht mich die Geschichte um eine Fitnesstrainerin, die ungewollt berühmt wird nicht so richtig in ihren Bann. Allerdings bin ich mir auch darüber bewusst, dass Welshs Werke oft erst am Ende richtig knallen. Deshalb will ich die Hoffnung noch nicht aufgeben. Eines Tages werde ich die letzte Seite in diesem Roman gelesen haben, I promise.

Platz 3: Bram Stoker – Dracula

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Unidozenten entschuldigen. Dracula stand vor eineinhalb Jahren in einem Literaturseminar auf dem Plan. Tut mir leid, Dr. P., ich hab’s gar nicht echt gelesen. Das war gelogen. Ich verstehe die Bedeutung von Dracula. Die Story ist ja auch echt gut, aber es ist einfach grottenschlecht geschrieben. Gutes Franchise hin oder her, nach etwa der Hälfte hab ich eingesehen, dass das mit mir und dem Grafen aus Transsilvanien so viel Sinn hatte wie eine Herzmassage bei einem toten Meerschweinchen – keinen. Machmal tut es halt auch Wikipedia.

Platz 2: Michel Houellebecq – Die Möglichkeit einer Insel

Ich kann genau sagen, wieso ich Die Möglichkeit einer Insel damals nicht weitergelesen habe. Ich habe mich schlichtweg zu blöd dafür gefühlt. Und nicht verstanden, dass es irgendwie um Klone in der Zukunft geht. Houellebecq (sprich: WellBeck) ist eben ein schlaues, wenn auch etwas abgedrehtes Kerlchen (Wer gut unterhalten werden will, dem empfehle ich einen Ausflug in seine sehr bewegte Biographie, die wie das Drehbuch eines seltsamen Filmes anmutet). Die Möglichkeit, dass ich dem Roman jedoch noch eine zweite Chance gebe, besteht ganz gewiss. Es sind mehrere Jahre vergangen, seit ich das Buch kaufte, vielleicht verstehe ich es inzwischen besser. Obwohl Papa immer sagt, dass blöd blöd bleibe und da auch keine Pillen hülfen.

Platz 1: Christian Kracht – Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

Ach, Christian. Ich verehre dein Werk wie ich sonst nur noch zwei andere Schriftsteller verehre. Und ich habe keine Erklärung, die deinem Talent genügen könnte, weshalb ich die Lektüre im Herbst 2009 abbrach. Zwischen Seite 28 und 29 steckt es fest, das Lesezeichen, das ein lesender Drache ziert, der so gar nicht passen mag zu dem Szenario, das du hier entwirfst. Nämlich das, das die Geschichte schreibt wie sie hätte sein können. Wäre alles etwas anders gekommen. Wäre die Schweiz jetzt ein sowjetischer Staat. Gerade nahm ich mir für diesen Eintrag deine Worte, sorgfältig ausgesucht und auf Papier gedruckt noch einmal zur Hand. Schon auf der ersten Seite sprichst du nicht von einem „grauen Oberteil“, sondern von einem „grauwollenen Nachthemd“. Da stellen sich Haare auf auf dem Arm einer Freundin gewählter Worte. Machs gut, lang wird’s nicht mehr dauern, dann werde ich deine delikaten Wortgebilde endlich mit der Hingabe, die sie verdienen, aufsaugen.

*

Unloved, half read, started, put away, out of sight, out of mind. And sometimes, when moving, knocking over shelves, or searching for acceptable literature for your last-minute uni papers, they fall into your hands: the book corpses.

There you are buying new books because their covers look hot and charming or because your conscience comes forward with a „you should at least know one of this author’s works“. Or because you urgently need to press flowers for your DIY herbarium. Whatever the motivation to buy, almost everyone has them at home, stuck between Buddenbrooks and Steppenwolf, the unfinished ones.

Here is my Top Five of books that I have started to read but still need to pick a bone or two with.

Number 5: Nick Hornby – Slam

I guess it was High Fidelity that made me believe I was a fan of Nick Hornby. And I’m sure that it was A Long Way Down that convinced me of the opposite. A short while ago, somebody said to me that ALWD was actually a very funny book and that it was impossible to not like it. I was surprised, because I didn’t remember it as being funny. More as being shit. Only two possibilities can be drawn from these strongly differentiating opinions: Either that person had a significantly different humor than I have, or back when I read it (ca. 2007), I was too busy being emo. Painting your eyes black and black humor seem to be two different things.

However, I bought Slam shortly after my A levels. And during the five years that have passed since, I didn’t make it any further than five pages into the novel. Maybe because texts that are supposed to be written from a teenager’s point of view always seem a little constrained (except for Tschick, which was premium). Adolescence can only be experienced, not be repeated by being extra casual. I’m not sure if, should my reading material run short one day, I’d finish reading it. Or if Nick is condemned to vanish under a thick layer of dust.

Number 4: Irvine Welsh – The Sex Live of Siamese Twins

Trainspotting and Ecstasy are monuments. That’s why I thought I couldn’t go wrong with Welsh, when I found myself at Berlin Ostbahnhof last summer and was looking for some print product for my long journey back home. I even managed to read nearly a quarter of the whole text. But somehow, the story about a fitness instructor who becomes involuntarily famous doesn’t quite catch me. But I certainly know that Welsh’s works often only become bangers at their ends. That’s why I don’t want to lose hope just yet. One day, I’ll finish the last page of this novel, I promise.

Number 3: Bram Stoker – Dracula

At this point, I would like to apologise to my uni teacher. Dracula was on our Literature class’ course schedule one and a half years ago. I’m sorry, Dr. P., I didn’t actually read it. That was a lie. I do understand the importance of Dracula. The story is absolutely fine, but it is just god awfully written. Great franchise or not, about halfway into the novel I realised that the Count from Transylvania and me were working as well together as a cardiac massage on a deceased guinea pig does- not at all. Sometimes, Wikipedia is really all you need.

Number 2: Michel Houellebecq – The possibility of an Island

I can pinpoint exactly why I didn’t finish reading The possibility of an Island. I felt plainly too stupid for it. And didn’t understand that it was somehow about clones in the future. Houellebecq (pronounced WellBeck) is simply a clever and somewhat spacy chappy (If you’re in need for some entertainment, check out his biography, that seems more like the script of a weird movie than a biography). The chances of me giving the novel a second chance are very high though. Some years have passed since I bought the book, maybe I’ll understand it better this time. Even though my dad always says that stupid will always be stupid and that even pills can’t help it.

Number 1: Christian Kracht – Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

Oh, Christian. I worship your work as much as I only worship two other authors. And I have no explanation that could be adequate enough to your talent why I stopped the reading in the autumn of 2009. Between page 28 and 29 have I left the bookmark that is decorated with a reading dragon that doesn’t seem to fit the scenario you here created. The one that writes History in the way it could have been. Had it all come in a different way. Would Switzerland be a Soviet state now. Just now I picked up your words, carefully printed. One the first page already you’re not talking about a „grey shirt“ but a „greywoollen nightgown“. Goosebumps appear on the arm of a friend of the carefully chosen words. See you soon, it won’t be long before I’ll absorb your delicate word constructions with the passion they deserve.

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