Sophia, der Tod und ich

Bei der Lektüre von Thees Uhlmanns Erstlingswerk empfand ich das Gleiche wie bei dem Genuss eines Toffeebonbons. Irgendwie klebt es in den Zähnen, aber irgendwie findet man es trotzdem ein bisschen geil.

Die Storyline ist schnell erklärt – Der Tod (in menschlicher Gestalt) will den Protagonisten einsammeln, um ihn von seinem irdischen Leben zu erlösen, beziehungsweise ihn aus diesem heraus zu reißen. Jener Vorgang wird jedoch durch das unerwartete Läuten der Haustür durch des Protagonistens Ex-Freundin unterbrochen (Das steht auch alles auf der Rückseite, cool bleiben). Und ein Roadmovie in die Provinz entfaltet sich. Featuring Muddi und Filialgeneration.

Das ist nett, das ist teilweise sogar lustig und einige Sätze sind echt schön. Der Autor schreibt treffende bildhafte Vergleiche und es könnte einem warm ums Herz werden – wenn da nicht diese unendliche wörtliche Rede wäre, die mich teilweise an den Rand des Wahnsinns brachte. Eines Wahnsinns, der sich in Augenrollen und kurzem Absenken des Romans unter Augenhöhe manifestierte.

Lieber Thees Uhlmann, man muss nicht jedes Wort, das in der Realität gedehnt ausgesprochen werden könnte durch einen Überfluss an Vokalen kennzeichnen. Eeeeeeeecht niiiiiiiiicht. Das ist nicht Die Ratten, Naturalismus hatten wir schon.

Der Schmöker ist was für den Urlaub, man kann ihn ohne große Beschwerden wegsnacken. Und bedenkenlos der Tante, möglichen Sexualpartnerinnen oder dem Yogalehrer schenken. Aber er ist auch ein bisschen farblos. Wo ist der Esprit? Mir fehlt eine gewisse Haltung zu anderen Dingen als Fußball und Bier. Ich überrasche mich selbst, aber mir fehlt eine Prise Politik oder Pfeffer oder Revolution. Wo sind Korn und Sprite?

Sorry, die Referenz zu Herrn Uhlmanns musikalischem Werk musste hier folgen. Das ist nämlich zu gut, um unerwähnt zu bleiben.

*

Reading Thees Uhlmann’s debut I felt the exact same thing that you feel when eating a toffee. Somehow it gets stuck in your teeth but at the same time it’s sweet.

The storyline can be explained quickly – Death (in human form) wants to collect the protagonist to release him from his earthly life, or rather to snatch him from it. This process is however interrupted by the protagonist’s ex-girlfriend who rings the doorbell (all this is also written on the back, stay calm). And a roadmovie unfolds. Featuring Mommy and filial generation.

That’s pleasing, from time to time that’s even funny and a few sentences are truly beautiful. The author finds striking vivid imagery and one could really get warm all over – if it wasn’t for this never ending direct speech, that brought me close to the verge of lunacy. A lunacy that manifests itself in rolling one’s eyes and lowering the novel below eye level.

Dear Thees Uhlmann, you don’t have to mark every single word that could be pronounced prolongingly by using an abundance of vowels. Reeeeaaaally you dooooooon’t. This isn’t Die Ratten, we’ve been through naturalism already.

This page turner is something for your holidays, you can snack on it without greater complaints. And unhesitantingly gift it an aunt, possible sexual partners or yoga teachers. But it’s also a little colourless. Where is the esprit? I’m missing a certain attitude towards other things than football and beer. I’m surprising myself here, but I’m missing a pinch of politics or revolution. Where are Korn and Sprite?

Sorry, this reference to Mr Uhlmann’s musical oeuvre had to be there. Because that is way too good, to stay unmentioned.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Sophia, der Tod und ich

  1. Als Jugendlicher wollte ich nie verstehen warum man jedes einfache Wort möglichst unverständlich oder meinetwegen kunstvoll in seine Lieder verbauen muss, um seriös zu wirken.
    Doch das ist sein Stil. Ein kleines Beispiel- Es ist halt das Firmament und nicht der Himmel. Aber auf Dauer regt sowas auf.
    Man hatte sich über die Jahre schnell an seinen Stil gewöhnt und es akzeptiert und am Ende die Musik für wertvoll empfunden.
    Das mit den Vokalen lang ziehen würde mich auch aufregen. Vielleicht hat Uhlmann das mit Absicht gemacht und die wörtliche Rede einfach seinem Gesang angepasst. Ich werde das Gefühl nicht los, als wüsste er das er damit Menschen provozieren kann…
    Habe das Buch nie gelesen und nach deiner Rezension würde ich es auch nur an Bekannte verschenken, die seine Musik auch zu schätzen wissen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s